„Von Made in Germany zu Made by Germany: Neue Marktchancen in Europa und in den Wachstumsmärkten der Welt erschließen“ – unter diesem Thema hatten die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Stiftung Industrieforschung zum 9. Petersberger Industriedialog am 2. Juli 2013 eingeladen.

Petersberger Industriedialog 2013

Manfred Sattler, Präsident der Industrie- und Handelskammer Koblenz„Immer bedeutender werden globale Wertschöpfungsketten, entlang derer sich unterschiedlichste Unternehmen organisieren. Und gerade hier liegt die Herausforderung: Wie können deutsche Unternehmen die Grundsätze des „Made in Germany“ unter den veränderten Rahmenbedingungen konsequent zur Anwendung bringen? „Made in Germany“ ist dabei mehr als ein Qualitätsversprechen. Deutsche Erzeugnisse sind vor allem deswegen gefragt, weil sie innovativ und technisch ausgefeilt sind, aber auch weil sie unter deutscher Regie entwickelt und gefertigt werden. Darin liegen große Chancen“ – mit diesen Worten erläuterte Manfred Sattler, Präsident der Industrie- und Handelskammer Koblenz, das Kernthema des Petersberger Industriedialogs 2013. Weiterhin sagte Sattler in seiner Begrüßungsansprache: „Produkte kann man möglicherweise nachbauen; Prozesse und Managementkompetenzen sind indessen immer noch stark kulturell geprägt und nicht ohne weiteres kopierbar.“

Dr. Thomas Gräbener, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Industrieforschung und Geschäftsführer der Gräbener PressensystemeDr. Thomas Gräbener, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Industrieforschung und Geschäftsführer der Gräbener Pressensysteme, betonte in seinen Begrüßungsworten die Chancen einer Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft: „Im internationalen Wettbewerb können wir nur dann bestehen, wenn wir in den globalen Märkten nicht nur ein Produkt „Made in Germany“, sondern auch dessen begleitende Faktoren wie Entstehung, Qualitätssicherung, Kundenorientierung oder local content – im Sinne eines „Made by Germany“ anbieten. Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal und einen substanziellen Wettbewerbsvorteil sehe ich in der einzigartigen Vernetzung von Forschungsinstituten mit der mittelständischen Industrie.“ In diesem Zusammenhang wies Gräbener auf die begleitende Wissenschaftsausstellung mit 16 Forschungseinrichtungen als „Markt der Ideen“ hin.

Rund 250 Teilnehmer – die meisten davon Verantwortliche aus mittelständischen Unternehmen – waren zum Petersberger Industriedialog gekommen und sorgten für einen voll besetzten Saal.

Prof. Dr. Robert Fieten, Management Forschungs-Team KölnIm Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Vorträge von fünf Unternehmern, die ihre „Made by Germany“-Strategien erläuterten. Prof. Dr. Robert Fieten, Management Forschungs-Team Köln, sorgte als Moderator der Veranstaltung zudem dafür, dass – im Sinne eines Industrie-Dialogs – neben den Referaten auch die Diskussion mit den Teilnehmern nicht zu kurz kam.

Herbert Forker, CEO der Siegwerk Druckfarben AG & Co. KGHerbert Forker, CEO der Siegwerk Druckfarben AG & Co. KG aus Siegburg, hatte seinen Vortrag unter das Thema „Erfolg ist, wenn man trotzdem wächst: Siegwerks erfolgreicher Wandel zum globalen Verpackungsdruckfarbenhersteller“ gestellt. Ursprünglich hatte der Schwerpunkt des Unternehmens bei der Herstellung von Druckfarben für Printmedien gelegen. Als deutlich wurde, wie massiv dieser Markt schrumpfte, wandelte sich Siegwerk zum globalen Hersteller von Verpackungsdruckfarben. Und dies mit Erfolg: Der Umsatz konnte in den letzten zehn Jahren verdreifacht werden, obwohl sich der Markt im Stammgeschäft halbiert hat. Dies wurde erreicht durch Akquisitionen und deren gelungene Integration, eine Mischung aus Teamgeist und Ergebnisorientierung, eine Portion Glück und „eine Menge Leidenschaft“, wie Forker betonte.

Dr. Karl Krause, Vorstandsvorsitzender der Kiekert AG„Made in Germany neu denken – Zukunftskonzept eines deutschen Global Players“ – mit diesem Thema beschäftigte sich Dr. Karl Krause, Vorstandsvorsitzender der Kiekert AG aus Heiligenhaus. Ausgangspunkt war dabei die Verlagerung der Automobilproduktionsmärkte hin zu den dynamisch wachsenden BRIC-Staaten – „die Produktion folgt den Absatzmärkten“, erläuterte Krause. Kiekert als Weltmarktführer für Schließsysteme im Automobil sichert daher durch seine globale Aufstellung die weltweite Liefer- und Servicefähigkeit. Wichtige Erfolgsfaktoren sind dabei die Standardisierung in modularen Baukastensystemen und nicht zuletzt Innovation. So gehen die Funktionen, die ein Automobil-Türschloss zu erfüllen hat, inzwischen weit über das bloße „Tür auf/Tür zu“ oder das Verriegeln hinaus: Schlösser spielen bei der Innenraum-Beleuchtung, beim Vorglühen von Dieselmotoren oder bei Zuziehhilfen eine wichtige Rolle. Verlangt werden aber ebenso ein bestimmtes Klangdesign im Schließsystem („So muss eine Autotür klingen...“), ein Beitrag zum Leichtbau-Trend oder eine aktive Crash-Sicherheit im Schließsystem. Im international aufgestellten Unternehmen Kiekert entstehen dabei aus Deutschland heraus vor allem standardisierte Prozesse, globale Qualitätsstandards, strukturiertes Programm-Management, klare Logistikabläufe und Innovationsdrang.

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Olaf Tünkers, Geschäftsführender Gesellschafter der TÜNKERS Maschinenbau GmbHOlaf Tünkers, Geschäftsführender Gesellschafter der TÜNKERS Maschinenbau GmbH aus Ratingen, hatte seine Ausführungen unter dieses Thema gestellt: „Entwicklung eines deutschen Familienunternehmens zum global Player: Vom Maschinenbau zum international tätigen Anbieter von Automationstechnik für die Serienfertigung.“ Nach negativen Erfahrungen, die die Firma Ende der siebziger Jahre mit einer starken Konzentration auf bestimmte Hydraulikzylinder gemacht hatte, beschreitet sie seither konsequent den Weg der Diversifizierung und des Aufbaus von Marktführerschaft in ihren Kernkompetenzfeldern. Neben der Spanntechnik, in der Tünkers mit seinem „Kniehebelspanner“ zum einem führenden Anbieter für große Automobilhersteller wurde, nutzte die Firma ihr Know-how zum Aufbau weiterer Standbeine wie Anleim- und Kaschiermaschinen für die Verpackungsbranche, Vibrationsrammen für die Bauindustrie und für die Fertigung von Klein-Elektromobilen wie Rollstühle. Inzwischen hat sich Tünkers vom Spanntechnik-Spezialisten zum Anbieter von Automatisierungstechnik weiterentwickelt. Mit innovativen (Slogan: „Erfindergeist serienmäßig“) und standardisierten Lösungen, einem erweiterten internationalen Vertriebs- und Fertigungsnetz und gezielten Zukäufen strebt Tünkers heute die Weltmarktführerschaft im Karosseriebau der Automobilindustrie in neun Kompetenzfeldern an.

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Thomas Kübler, Geschäftsführer der Kübler GmbH„Qualitätsstandard Made in Germany und permanenter Kontakt zu den Kunden: Erfolgsformel für die Erschließung neuer Wachstumsmärkte“, so lautete das Thema des Vortrags von Thomas Kübler, Geschäftsführer der Kübler GmbH aus Ludwigshafen. Seine Geschäftsidee: Anstelle von traditionellen Luftheizungen stellt die Firma Infrarotheizungen für Industriehallen her. Der Vorteil: Während bei Luftheizungen ein großer Teil der Heizenergie durch die nach oben steigende warme Luft verloren geht, sorgt die Strahlungsheizung unmittelbar für Wärme dort, wo sie benötigt wird, nämlich am Hallenboden. Das System H.Y.B.R.I.D. – mit dem deutschen Nachhaltigkeitspreis 2012 ausgezeichnet – hat im Praxiseinsatz zu jährlichen Energiekosteneinsparungen von bis zu 60 % geführt. Für die Firma – inzwischen auch international aufgestellt – gilt der Leitsatz: „Wo Kübler darauf steht, ist auch Kübler drin.“ Dies bedeutet konkret: Es werden keine Leistungsunterschiede in den internationalen Produktionsstätten zugelassen, die Mitarbeiter werden gut ausgebildet, klare Werte und insbesondere Nachhaltigkeit werden nicht nur verkündet, sondern auch gelebt. Der nächste Internationalisierungsschritt führt die Firma nach China. Hier sollen definierte Erfolgsfaktoren gelten: das Know-how schützen, die Kernkomponenten in der Zentrale behalten, vor Ort produzieren, die Verfügbarkeit der Infrastruktur optimieren und Einfuhrzölle reduzieren.

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lemens Kalverkamp, Geschäftsführer der Grimme Landmaschinenfabrik GmbH & Co. KGDen abschließenden Vortrag hatte Klemens Kalverkamp, Geschäftsführer der Grimme Landmaschinenfabrik GmbH & Co. KG aus Damme übernommen. Sein Thema: „Global denken, lokal handeln – miteinander ernten: Erfolgsprinzipien der Marktführer von morgen.“ Als eine zentrale Herausforderung für Grimme bezeichnete Kalverkamp den Erhalt der globalen Marktführerschaft durch regionale Technologieführerschaft. Dies erfordere neben globalen Produkt- und Innovationsstrategien die Fähigkeit zur lokalen Umsetzung auf der Basis einer wertorientierten Führung. Um im raschen Wandel der globalen Marktbedingungen auf längere Sicht zu bestehen, bedürfe es neben der fach- und Methodenkompetenz bestimmter weiterer Fähigkeiten. Hierzu zählten etwa Kooperationsfähigkeit, Vertrauensfähigkeit, Emotions- und Kommunikationsfähigkeit ebenso wie Lösungsfähigkeit oder Innovationsfähigkeit. Daraus leitete Kalverkamp eine Reihe von Erfolgsprinzipien der Marktführer von morgen ab, die zu einem „ALL-WIN“-Unternehmen führen könnten. Kennzeichen eines solchen „ALL-WIN“-Organismus seien beispielsweise eine verminderte Stressbelastung, reduzierte Konflikt- und Krankheitskosten, aber auch eine höhere Konzentration auf Kundennutzen und Wirtschaftlichkeit und eine gesteigerte Umsatzrendite.

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„Die fünf Unternehmensbeispiele machen deutlich, dass sich unsere Unternehmen mit großem Engagement auf der Basis deutscher Qualitätskultur und Ingenieurkunst sehr erfolgreich in Globalia positionieren, ohne dabei ihre deutschen Wurzeln zu kappen,“ fasste Moderator Prof. Robert Fieten die lebhaften Diskussionen beim jüngsten Petersberger Industriedialog zusammen.


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Stand: 01.06.2017
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