Ungelöste Euro-Schuldenkrise, schwer kalkulierbare Preisentwicklungen bei Energie und Rohstoffen: Dies sind zwei der Faktoren, die bei zahlreichen mittelständischen Unternehmen trotz aktueller Erfolge zu Verunsicherungen über die mittelfristige wirtschaftliche Entwicklung geführt haben. Vor diesem Hintergrund wollte der „Petersberger Industriedialog“ Strategien aufzeigen, mit denen sich der Mittelstand in einem Umfeld unsicherer Märkte durch mutiges, agiles Handeln behaupten kann. Einige Kernelemente dieser Strategien wurden im Thema der Veranstaltung benannt: Kundennutzen schaffen, flexibel produzieren, Finanzkraft stärken.

Rund 200 Personen - vor allem Geschäftsführer und Führungskräfte aus dem industriellen Mittelstand - kamen zum achten „Petersberg Industriedialog“ am 19. Juni 2012. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie der Stiftung Industrieforschung.

Petersberger Industriedialog 2012

In seiner Begrüßungsansprache bezeichnete Paul Bauwens-Adenauer, Präsident der IHK NRW – Die Industrie- und Handelskammer in Nordrhein-Westfalen e.V., die Industrie als „Motor unserer Wirtschaft“. In NRW seien rund 1,3 Millionen Beschäftigte in diesem Sektor tätig, in Rheinland-Pfalz etwa 280.000. Im europäischen Vergleich lägen beide Bundesländer mit dem Anteil der Bruttowertschöpfung der Industrie auf einem Spitzenplatz. Zudem ging Bauwens-Adenauer auf die aktuellen Herausforderungen für die Industrie ein – etwa die Entwicklung des Euro-Raums, die Energiewende und die Infrastruktur.

Einen „Marktplatz für Ideen“ nannte Dr. Wolfgang Lerch, Vorstand der Stiftung Industrieforschung, den Petersberger Industriedialog und verwies in seinem Beitrag auf den „Innovationsmarkt“, inzwischen ein fester Bestandteil des „Petersberger Industriedialogs“. Neun Forschungsteams aus der Wissenschaft präsentierten ihre Lösungen an Messeständen. Dabei reichte das Themenspektrum von einer Modellfabrik zur Optimierung der Wertschöpfungskette über Strategien des Social Media Marketing bis hin zu Projekten zur Energierückgewinnung aus Abwärme.

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln„Das makroökonomische Umfeld Mitte 2012: Kann der deutsche industrielle Mittelstand weiterhin mit Optimismus in die Zukunft gehen ?“ - mit dieser Frage setzte sich Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, in seinem Vortrag auseinander. Hüther betonte die Chancen, die durch den „Megatrend Globalisierung“ für die deutsche Industrie weiterhin bestehen – etwa durch Fokussierung auf die wachstumsstarken Regionen der „Emerging Markets“. Herausforderungen sah der IW-Chef zum einen in der sich vergrößernden Fachkräftelücke im MINT-Bereich (Ingenieure, Naturwissenschaftler, DV-Fachleute und Techniker), in steigenden und zunehmend volatilen Rohstoffpreisen und in möglichen Stromversorgungslücken, die durch Atomausstieg und Alterung der Kraftwerke ab Mitte dieses Jahrzehnts zu erwarten seien. Mit Blick auf die Krise der Euro-Zone plädierte Hüther für ein „Hin zu einer verantwortungsvollen Finanzpolitik“ und gegen Bestrebungen, zu nationalen Währungen zurückzukehren.

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Ortwin Goldbeck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und Gründer des Bauunternehmens Goldbeck GmbHÜber die „Kunst, sich als Familienunternehmen immer wieder neu zu erfinden“, referierte Ortwin Goldbeck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und Gründer des Bauunternehmens Goldbeck GmbH. Dabei erläuterte Goldbeck, wie sein Unternehmen – anders als mancher Wettbewerber – es durch stetigen und an den Anforderungen des Marktes orientierten Wandel geschafft hat, über Jahrzehnte hinweg erfolgreich zu sein. War die damalige Goldbeck KG in den siebziger Jahren noch als Stahlbauunternehmen aktiv, so erweiterte sich das Tätigkeitsspektrum in den Achtzigern auf Gebäude aus Stahl und Aluminium. Im folgenden Jahrzehnt expandierte das Unternehmen mit den drei Säulen „konzipieren, bauen, betreuen“. Heute bietet die international tätige Goldbeck GmbH ein ganzes Spektrum an Produkten und Dienstleistungen rund um den Bau an und beschäftigt mehr als 1.600 Mitarbeiter. Stillstand wird es auch in Zukunft nicht geben: So sollen die Bausysteme unter den Aspekten „Energie und Nachhaltigkeit“ weiterentwickelt werden.

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Annette Dräbing von der Geschäftsleitung der Weberit Werke Dräbing GmbH aus Oberlahr und Bernd Romahn, Leiter Forschung und EntwicklungAnnette Dräbing von der Geschäftsleitung der Weberit Werke Dräbing GmbH aus Oberlahr und Bernd Romahn, Leiter Forschung und Entwicklung, erläuterten in ihrem gemeinsamen Vortrag, wie man ein mittelständisches Familienunternehmen „geschickt durch die Wellen der Konjunktur manövrieren“ kann. Die Firma ist im Bereich „Kunststoffverarbeitung“ tätig und beliefert Kunden aus Maschinenbau, Automobilindustrie und erneuerbaren Energien. Weberit ist eingebettet in ein Netzwerk aus Industrie und Wissenschaft. Als Quintessenz fassten Dräbing und Romahn zusammen: Weberit besteht am Markt nicht durch Preiskampf, sondern durch Innovation auf Basis eigener Forschungs- und Entwicklungskompetenz, durch Verfahrensvielfalt und maßgeschneidertes Verfahrens-Know-how sowie durch definierte Alleinstellungsmerkmale. „Das“, - so die beiden Referenten, „gibt uns einen Vorsprung vor Produktpiraten.“ Dennoch seien zur Sicherung des Know-hows Kooperations- und Geheimhaltungsverträge sowie Schutzrechtsanmeldungen unumgänglich.

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Carl Julius Cronenberg, Geschäftsführender Gesellschafter Julius Cronenberg Sophienhammer aus Arnsberg„Wertschöpfungsorientierte, kundenorientierte Produktion und hohe Produktivität (k)ein Gegensatz ?“ - diese Frage rückte Carl Julius Cronenberg, Geschäftsführender Gesellschafter Julius Cronenberg Sophienhammer aus Arnsberg in den Mittelpunkt seines Vortrags. Hier gelte es zunächst - so Cronenberg - sich strategisch klar zu positionieren: ob das Unternehmen Kostenführerschaft anstrebe oder sich zur Premiummarke weiterentwickeln wolle. Diese Strategie müsse konsequent umgesetzt werden nach dem Grundsatz: Kostenoptimierung folgt Kundennutzen. Dabei sei wichtig, dass die Kostenstruktur zum Geschäftsmodell passe. Bei Cronenberg bedeute dies, dass in der auftragsbezogenen Fertigung die Flexibilität Vorrang habe vor Stückkostenminimierung. Ferner müsse es durch eine Plattformstrategie gelingen, kundenspezifische Merkmale und standardisierte Konstruktion zusammenzuführen. Bei der Variantenfertigung wolle das Unternehmen Problemlöser statt Kostenführer sein.

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Dr. Johann Christian Meier, Geschäftsführer der SCHÜTZ GmbH & Co. KG aus SeltersDr. Johann Christian Meier, Geschäftsführer der SCHÜTZ GmbH & Co. KG aus Selters, widmete sich der Frage: „Wachstumschancen nutzen und gleichzeitig Risiken abfedern: Geht das ?“ Die Firma bietet zum Beispiel Transportbehälter an, darunter Fässer ebenso wie den „Intermediate Bulk Container“ (IBC) als Alternative zum Fass. Zu den Vorteilen des „IBC“ zählen hohes Füllvolumen, Stapelbarkeit und Sicherheit. Die eindrucksvollen Wachstumserfolge von SCHÜTZ korrespondierten mit einem offensiven Ausbau der Produktionsstandorte – einschließlich Lizenznehmern – seit Beginn der neunziger Jahre. Damit erreiche das Unternehmen – wie Meier erläuterte – zugleich eine höhere Liefersicherheit und sichere sich zugleich gegen bestimmte Produktionsrisiken ab. Zur Strategie der Abfederung von Risiken zählten ebenso eine intensive Kundenbindung durch den weltweiten Schütz Ticket-Service, eine höhere Unabhängigkeit durch einen firmeneigenen Maschinen- und Werkzeugbau sowie eine höhere Versorgungssicherheit durch einen breiteren regionalen Einkauf.

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Prof. Dr. Robert Fieten, Leiter des Management-Forschungs-Teams KölnModerator auch des achten „Petersberger Industriedialogs“ war Prof. Dr. Robert Fieten, Leiter des Management-Forschungs-Teams Köln, der auch maßgeblich an der Konzeption der Veranstaltung mitgewirkt hatte.


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Stand: 30.03.2017
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