Dr. Carsten Kreklau„Deutschland reindustrialisiert“, so zitierte Kuratoriumsvorsitzender Dr. Carsten Kreklau in seiner Eröffnungsansprache eine renommierte Sonntagszeitung. Vor allem Industrieunternehmen sei es zu verdanken, dass sich Deutschland nach dem massiven Einbruch der Wirtschaftsleistung von 2009 vergleichsweise schnell erholt habe. Innovative Mittelständler und Familienunternehmen spielten dabei eine Schlüsselrolle - sie seien ein wichtiger Aktivposten unseres Landes. Und an diesem Punkt setze die Arbeit der Stiftung Industrieforschung an: „Wir wollen mit unseren Aktivitäten Impulse für den innovativen Mittelstand geben. Dabei konzentrieren wir uns ganz auf junge Forscherinnen und Forscher. Denn wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zunehmend selbstverständlich, unverkrampft und für beide Seiten erfolgreich wird.“

Dr. Matthias J. RappAls Festredner war Dr. Matthias J. Rapp, Vorstand für Finanzen und Contrilling der Webasto SE aus Stockdorf bei München gekommen. Rapp hatte 1993 im Rahmen seiner Promotion ein Stipendium der Stiftung erhalten – worauf er zu Beginn seiner Ausführungen einging und den Förderansatz der Stiftung, den Schwerpunkt gerade auf junge Forscher zu legen, ausdrücklich unterstützte.

In seinem Vortrag „Wertmanagement in Familienunternehmen“ erläuterte Rapp, was es in der unternehmerischen Praxis bedeutet, wenn Unternehmen in ihren Geschäftsberichten als Leitziel ausgeben: „Wir richten die Unternehmenssteuerung an der nachhaltigen Steigerung des Unternehmenswertes aus.“ Dabei ging Rapp zunächst auf die verschiedenen Wertbegriffe ein und erklärte die Unterschiede zwischen Fair Market Value, Buchwert und Investmentwert. Eine zentrale Herausforderung bestehe darin, als Orientierungsmarke für die Steuerung des Unternehmenswerts aussagekräftige Kennzahlen zu bestimmen. Rapp machte dabei die jeweiligen Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Kennzahlen deutlich, die sich an Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz oder Cash Flow orientieren. Abschließend arbeitete der Webasto-CFO die Besonderheiten des Wertmanagements von Familienunternehmen heraus: So hätten die Eigentümer meist einen generationsübergreifenden Horizont und legten den Fokus auf nachhaltiges Wachstum und finanzielle Stabilität. Mit Blick auf die zur Steuerung verwendeten Kennzahlen betonte Rapp: „Gegenüber kapitalmarktorientierten Unternehmen speilen einzelne Monatswerte keine Rolle.“ Schließlich wies Rapp darauf hin, dass bei Familienunternehmen die Firma meist größter und wichtigster Vermögengegenstand der Familie sei. Ihr Wert sei daher nicht nur monetär zu begreifen, sondern auch als immaterieller Wert in Form einer langjährigen Familientradition.

StipendiatenAnschließend erhielten 19 Stipendiatinnen und Stipendiaten der Bewerbungstermine Herbst 2011 und Frühjahr 2012 ihre Urkunden für wissenschaftliche anspruchsvolle und zugleich praxisorientierte Diplom- und Masterarbeiten: Jan Leewe Behrendt (Hamburg-Harburg), Amke Eggers (Clausthal), Dennis Flottran (Lüneburg), Laura Getrey (Trier), Alexander Gunkel (Darmstadt), Philipp Hafen (Furtwangen), Martin Krikken (Bremen), Kristin Kropidlowski (Berlin), Franziska Muckel (Duisburg-Essen), Markus Ramsperger (Erlangen-Nürnberg), Eva-Maria Reitinger (München), Dennis Röhrig (Dortmund), Ulrike Schlauch (Aachen), Thomas Schmitz (Dortmund), Susanne Thierfelder (Koblenz-Landau), Daniel Thies (Darmstadt), Jana Wilmers (Saarbrücken), Alexandra Wunderle (Stuttgart), Stefan Ziegler (Weimar). Einige weitere Stipendiat(inn)en aus diesen beiden Terminen konnten wegen verschiedener Verpflichtungen nicht an der Veranstaltung teilnehmen.

„Sie alle zeigen eindrucksvoll, dass auch Diplom- und Masterarbeiten wichtige Forschungs-Impulse für den innovativen Mittelstand geben können“, sagte Dr. Carsten Kreklau in seinen einführenden Worten und fuhr fort: „Dies gilt allerdings nur unter zwei Voraussetzungen: Erstens müssen unsere Stipendiaten in eine erstklassige wissenschaftliche Umgebung eingebettet sein. Daher stellen nicht sie selbst die Anträge, sondern die Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, an deren Instituten die Arbeiten entstehen. Zweitens können wir hervorragende Ergebnisse nur dann erwarten, wenn sich besonders vielversprechende junge Leute, die schon in ihrem Studium durch Leistung überzeugt haben, mit großem Engagement an die Arbeit machen. Auch in dieser Hinsicht können sich die Erfahrungen mit diesem Programm sehen lassen: Die Arbeiten, die fertig gestellt und bewertet worden sind, erzielten bisher eine Durchschnittsnote von 1,2 . Wir hätten nichts dagegen, wenn das so bliebe.“

Amke Eggers und Alexander GunkelAmke Eggers und Alexander Gunkel hielten - stellvertretend für alle Stipendiaten - eine kurze Dankansprache. Darin betonten sie, dass ihnen das Stipendium zum einen die Chance eröffnet habe, sich ohne finanzielle Zwänge voll auf die Diplom- oder Masterarbeit zu konzentrieren. Zum anderen habe sie die Einschätzung der Stiftung, ihre Arbeit sei besonders förderungswürdig, ermutigt, sich besonders eingehend mit ihrem Forschungsthema zu beschäftigen.

Schließlich zeichnete Dr. Carsten Kreklau eine junge Forscherin und zwei junge Forscher aus, deren Arbeiten nicht nur unter wissenschaftlichen Kriterien hervorragend waren, sondern zugleich der mittelständischen Praxis Impulse für Innovationen geben konnten. Der „Preis für wissenschaftliche Arbeiten“, den die Stiftung Industrieforschung seit 1989 vergibt, ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert - für das Jahr 2012 wurde die Preissumme auf 12.000 Euro aufgestockt.

Preistraeger 2012Der 1. Preis ging dabei an Dr. Heike Rindfleisch für ihre an der FU Berlin entstandene Dissertation zum Thema: „Insolvenz und Rigidität – Eine theoretische und empirische Ursachenanalyse auf Basis von Insolvenzplänen“. Den 2. Preis erhielt Dr. Stefan Walther (links) für seine an der Universität Erlangen-Nürnberg verfasste Dissertation zum Thema: „Industrializing Transportation Networks - An Analysis and Evaluation of Alternative Approaches to Cargo Transport Services with Special Reference to the European Over-the-Road Truckload Carrier Industry“. Mit dem Sonderpreis wurde Dr. Gunnar Armbrecht (2. von rechts) für seine an der Leibniz Universität Hannover entstandene Dissertation zum Thema „Dielectric Tubular Endfire Antennas for Industrial Radar Level Measurements: Analysis and Design” ausgezeichnet.


In seinen Abschlussworten dankte Dr. Carsten Kreklau den Teilnehmern und lud sie ein, das anschließende Buffet für eine Fortsetzung des Dialogs und des persönlichen „Networkings“ zu nutzen.

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Stand: 30.03.2017
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