Unsere Arbeitswelt ändert sich in immer schnellerem Maße. Digitale Kommunikation und digitale Problemlösungen durchdringen nicht nur die industrielle Produktion, sondern mehr und mehr alle uns umgebenden Lebensbereiche. Auch die Gesundheitswirtschaft, traditionell ein Bereich mit starker zwischenmenschlicher Interaktion, wird zunehmend digitalisiert. Es gilt, den unaufhaltsamen Wandel zu nutzen und zu gestalten. Gesellschaftliche Veränderungen bieten im besonderen Maße die Gelegenheit, neue Geschäftsideen zu entwickeln und umzusetzen. Die Stiftung Industrieforschung hat daher ihr Forum Junge Spitzenforscher und Mittelstand dem Thema „Digitalisierung in den Lebenswissenschaften“ gewidmet.

Das Forum Junge Spitzenforscher und Mittelstand ist ein Wettbewerb für junge Forscher, der 2016 - wie auch schon in den beiden vorausgegangenen Jahren - von der Stiftung Industrieforschung in Kooperation mit der Humboldt-Innovation und B!GRÜNDET aus Berlin ausgerichtet wurde. Es bietet Hochschulangehörigen die Möglichkeit, ihre Forschungsergebnisse einer Fachjury vorzustellen und die daraus entstehenden Geschäftsideen auf Innovativität, Originalität und Praxisbezug bewerten zu lassen.

Auch in diesem Jahr erreichten uns wieder knapp 30 Bewerbungen von Berliner und Brandenburger Universitäten. Sechs von ihnen erreichten das Finale und trugen ihre Ideen einer sechsköpfigen Preisjury vor. Diese vergab zwei erste, einen dritten und drei vierte Plätze.

Dr. Jana Marie SchwarzDr. Jana Marie Schwarz aus der pädiatrischen Klinik der Charité überzeugte die Jury mit einem Konzept, seltene Krankheiten bei Kindern früher zu erkennen. Mit Hilfe maschinellen Lernens gelingt es der Forscherin, nach einer vollständigen Gensequenzierung spezielle Genvarianten zu suchen und zu klassifizieren, deren Krankheitspotenzial einzuschätzen und eine wahrscheinliche Diagnose zu stellen. Dieses wird eingebettet in eine bedienerfreundliche Spezialsoftware (XMAS), die es auch niedergelassenen Ärzten oder kleinen Kliniken erlaubt, ihren Patienten schnell und zuverlässig zu helfen. Frau Dr. Schwarz belegte mit diesem Konzept den ersten Platz.

Dr. Ingo SchuchDiesen teilte sie sich mit Dr. Ingo Schuch von den Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Dr. Schuch stellte ein neuartiges System zur Steuerung von Gewächshäusern vor. Bisher wurden diese nach Wettermessdaten und vorgegeben Sollwerten zum Innenklima gesteuert. Das System BERMONIS greift dagegen kontinuierlich pflanzenphysio­logische Parameter wie die Photosyntheserate ab und steuert die Belichtung, Wasser- und Nährstoffversorgung direkt auf der Basis des aktuellen Pflanzenbefindens.

Dr. Lutz KlokeDen dritten Platz konnte Dr. Lutz Kloke, medizinischer Biotechnologe an der TU Berlin, belegen. Dr. Kloke arbeitet an einem Programm, das helfen soll, den Aufbau menschlicher Organe und Gewebe mit Zellen so zu konstruieren, dass sie dann mit einem Bio-3D-Printer „gedruckt“ werden können. Hier ist für die Forscher insbesondere von Interesse, wie Adern und Venen gelegt werden müssen, um eine optimale Sauerstoffversorgung der Gewebe zu gewährleisten. Dr. Kloke gewann, ebenso wie die beiden Erstplatzierten, 10.000 € für weitere Forschungen.

Monika DomanskaDen vierten Platz, mit 2.000 € dotiert, belegte Monika Domanska von der Humboldt-Universität zu Berlin. Frau Domanska ist Informatikerin und hat den MOOD-TRAINER entwickelt, ein mit Sensoren ausgestattetes tragbares Gerät (ein sog. „Wearable“), das Indikatoren psychischer Zustände - z.B. Umgebung, Puls oder Hautleitwert - ermittelt, bei der Selbstwahrnehmung von Emotionen hilft und so die schnellere und gezieltere Anwendung von Selbstregulierungstechniken ermöglicht.

Dr. Matthieu-Patrick SchapranowEbenso vierter wurde Dr. Matthieu-Patrick Schapranow vom Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik. Er hat mit seinen Kollegen ANALYZ GENOMES entwickelt, eine Technik, die Daten verschiedenster Herkunft und verschiedensten Typs zusammenführt und dem klinisch tätigen Arzt zur Verfügung stellt. Mit der neuen Technik werden aufwändige Recherchen in Spezialdatenbanken größtenteils überflüssig.

Prof. Dr. Matthias WeidlichSchließlich gelang es auch dem Informatiker Prof. Dr. Matthias Weidlich, einen vierten Platz zu erreichen. Prof. Weidlich stellte ein System vor, das Abläufe in Kliniken optimieren hilft, so dass Patienten deutlich weniger warten müssen, weil z.B. ein Patient vorzeitig zum Röntgen geschickt wird, wenn dort plötzlich Kapazitäten frei geworden sind, oder die hauseigene Apotheke die Medikamente in der Reihenfolge fertigstellen kann, wie sie benötigt werden, nicht wie sie eingegangen sind.

Die Stiftung Industrieforschung gratuliert allen Preisträgern herzlich und wünscht ihnen viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg, die industrierelevante, anwendungsnahe Forschung voranzutreiben.

Insbesondere bedanken wir uns bei unserem Kooperationspartner Humboldt-Innovation GmbH für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Der besondere Dank der Stiftung gilt den Juroren der diesjährigen Veranstaltung und ihrer Arbeit: Inga Bergen (Welldoo GmbH), Dr. Kai Uwe Bindseil (Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH), Dr. Claas Junghans (Schulz Junghans Patentanwälte PartGmbB), Dr. Peter-Andreas Löschmann (Pfizer Deutschland), Sven Schiller (CSB-System AG) und Manouchehr Shamsrizi (RetroBrain R&G).

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Stand: 01.06.2017
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