Es war ein reiner Zufall, dass das diesjährige Forum „Junge Spitzenforscher und Mittelstand“ zur gleichen Zeit stattfand wie der nationale IT-Gipfel 2015, nur ein paar Kilometer voneinander entfernt. Beide Veranstaltungen widmeten sich aber einem nahezu gleichen Thema: dem Internet of Things, oder kurz dem IoT. Doch während es unter der Beteiligung der Bundeskanzlerin am IT-Gipfel um nationale Strategien der Digitalisierung ging und fast ausschließlich die Manager der großen Wirtschaftskonzerne geladen waren, präsentierte das Forum Junge Spitzenforscher tatsächliche Lösungsansätze und Technologien, die nicht nur von Großkonzernen, sondern vor allem auch von kleinen und mittleren Unternehmen genutzt werden können.

Das „Forum Junge Spitzenforscher und Mittelstand“ ist ein Wettbewerb für junge Forscher, der 2015 - wie auch schon in den beiden vorausgegangenen Jahren - von der Stiftung Industrieforschung in Kooperation mit der Humboldt-Innovation und B!GRÜNDET aus Berlin ausgerichtet wurde. Es bietet Hochschulangehörigen die Möglichkeit, ihre Forschungsergebnisse einer Fachjury vorzustellen und sie auf Innovativität, Originalität und Praxisbezug bewerten zu lassen.

Zum Thema IoT erlebten wir eine Bewerberflut wie nie zuvor. Etwa 30 Hochschulangehörige Berliner und Brandenburger Universitäten haben sich um die ausgelobten Preise beworben. Sechs von ihnen erreichten das Finale.

Dr. Stefan DietzelDr. Stefan Dietzel vom Institut für Informatik der Humboldt-Universität zu Berlin befasst sich mit der „Verlässlichen Datenintegrität für das Internet of Things“. Hintergrund seiner Forschung ist die Tatsache, dass im IoT vertrauenswürdige Quellen nicht mehr zuverlässig von nicht vertrauenswürdigen Quellen abgegrenzt werden können, d.h. nicht mehr für jede Datenquelle Zertifikate und kryptographische Signaturen existieren, die sie als vertrauenswürdig klassifiziert. Sein alternatives Konzept zur Gewährleistung der Datenintegrität beruht daher auf komplexen und selbstlernenden Algorithmen, die für die jeweils verfügbaren Datenquellen Plausibilitäts- und Konsistenzeinschätzungen vornehmen und so zu einer verlässlichen Einschätzung der Information führen.

Matthias WählischMatthias Wählisch ist ebenfalls Informatiker, kommt aber von der Freien Universität Berlin. Auf dem Forum Junge Spitzenforscher stellte er mit „RIOT: The Friendly Operating System for the Internet of Things“ ein Betriebssystem vor, mit dem komplexe Geräte, aber vor allem auch Geräte mit geringen (Speicher-)Kapazitäten, in Echtzeit gesteuert und vernetzt werden können. RIOT ist ein open source Projekt, das bereits Interesse bei der Industrie geweckt hat. Ebenso wie Dr. Dietzel bekommt auch Herr Wählisch 10.000 € als Förderbeitrag für Weiterentwicklungen und neue Forschungen.

Dr. Andreas KliemDer dritte Hauptpreisträger ist Dr. Andreas Kliem vom Institut für Telekommunikationssysteme der Technischen Universität Berlin. In seinem Vortrag „Resource Management for the Internet of Things“ stellte er ein neues Konzept vor, wie Smart Devices, Sensoren und RFID-getaggte Gegenstände miteinander ressourcenschonend verknüpft werden können. Das vorgeschlagene Lösungskonzept fokussiert auf das Pooling und das unmittelbare Teilen von physischen Ressourcen, ohne Cloud-Plattformen als vermittelnde Akteure zwischenzuschalten.

Elif EryilmazElif Eryilmaz vom Kompetenzzentrum „Next Generation Services" der Technischen Universität Berlin konnte die Jury mit ihrem Vortrag zu „Semantic Sensor Fusion for the Automatization of Sensor Selection over the Internet of Things” überzeugen. Sie hat einen Algorithmus entwickelt, der selbstständig eine variable Anzahl von Sensoren im IoT auf der Basis ihrer jeweils spezifischen Charakteristika identifiziert, um eine bestimmte Aufgabe qualitativ hochwertig zu erfüllen. Dieser Algorithmus kann gleichzeitig die Zuverlässigkeit seiner Arbeit beurteilen und als Datum an den Anwender geben. Frau Eryilmaz bekommt für die Finalteilnahme 2.000 € als Unterstützung für ihre weiteren Forschungen.

Dr. Marius KloftDen gleichen Betrag erhält Juniorprofessor Dr. Marius Kloft vom Institut für Informatik der Humboldt-Universität zu Berlin für sein Konzept des „Advanced Machine Learning Prediction Methods for Automatic Heating Control“, in dem er große Datenmengen, insbesondere auch historische und personalisierte Daten, verwendet um den Aufenthaltsort von Personen vorherzusagen und damit häusliche Systeme wie z.B. die Heizung effizient zu steuern. Da Dr. Kloft leider krankheitsbedingt verhindert war, wurde er auf dem Forum von seinem Bachelorstudenten Philip Pogien vertreten.

Konrad-Felix KrentzKonrad-Felix Krentz vom Hasso-Plattner-Institut in Berlin stellte mit „Key Provisioning for the Internet of Things via Light“ eine Technologie vor, mit der es möglich ist, elektronische Schlüssel schnell und sicher auf eine Vielzahl von RFID-Geräten zu übertragen. Hierzu verwendet er die Blitzlichter handelsüblicher Smartphones, die mit geringer, aber ausreichender Bitrate arbeiten. Damit wird sowohl eine einfache Erstverschlüsselung beim Anwender als auch eine Nachverschlüsselung eines RFID-Geräts vor Ort (z.B. der Sensor eines öffentlichen Parkplatzes) möglich. Auch diese Idee war der Jury 2.000 € wert.

Die Stiftung Industrieforschung gratuliert allen Preisträgern herzlich und wünscht Ihnen viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg, die industrierelevante, anwendungsnahe Forschung voranzutreiben.

Insbesondere bedanken wir uns bei unserem Kooperationspartner Humboldt-Innovation GmbH für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Der besondere Dank der Stiftung gilt den Juroren der diesjährigen Veranstaltung und ihrer Arbeit: Dr. Claus Bahlmann (Siemens AG), Dr. Thomas Bittner (Boehmert & Boehmert Anwaltspartnerschaft), Dr. Reinhard Geissbauer (PwC Strategy&), Christian Ruhle (Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie) und Stefan Schick (Microsoft Deutschland).

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Stand: 01.06.2017
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