Ein völlig neues Veranstaltungsformat erprobte die Stiftung Industrieforschung am 23. Juni 2010 auf dem Petersberg: Acht exzellente junge Forscherinnen und Forscher präsentierten Experten aus dem industriellen Mittelstand originelle und praxisrelevante Forschungsergebnisse und Lösungsansätze zum Thema „Innovationsmanagement“.

Forum Junge Spitzenforscher

Das Themenspektrum reichte dabei von Patentstrategien über Design bis hin zu Innovationsbarrieren, Open Innovation, Innovationen für Emerging Markets und Lead-User-Methoden. 26 Experten aus verschiedenen Branchen des industriellen Mittelstands nutzten die Gelegenheit, frische Ideen für ihre Arbeit kennen zu lernen, neue Kontakte zu Instituten zu knüpfen und die präsentierten Forschungsansätze eingehend zu diskutieren. Die jungen Spitzenforscher erhielten wiederum die Chance, anwendungsnahe Forschungskonzepte und - ergebnisse mit Unternehmensvertretern abzugleichen und neue Kontakte zu Firmen zu knüpfen.

Zum Abschluss der von Stiftungsvorstand Dr. Wolfgang Lerch moderierten Veranstaltung wurden die 26 Industrievertreter gebeten, darüber abzustimmen, welche Vorträge aus ihrer Sicht besonders überzeugend und für die unternehmerische Praxis nützlich waren. Die drei Erstplazierten aus dieser Abstimmung erhielten von der Stiftung Industrieforschung jeweils 10.000 Euro, die ihnen als freie Fördermittel für ihre jeweiligen Forschungsvorhaben zur Verfügung stehen.

Anna Dubiel„Erfolgreiche Neuproduktentwicklung für Emerging Markets“ – so lautete das Thema des Vortrags von Anna Dubiel (Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement, WHU Otto Beisheim School of Management, Vallendar).  Unternehmen, die in diesen zunehmend wichtigen Märkten erfolgreich sein wollen, müssen – so Anna Dubiel – grundlegend umdenken, um die besonderen Kunden-Bedürfnisse zu erfüllen. Eine kluge Innovationsstrategie könne  „SMART“ sein - dabei steht das Kürzel für „Simple, Maintenance Friendly, Affordable, Reliable, Timely to Market Products“. Zudem seien auf den Emerging Markets innovative Absatzstrategien ebenso wichtig wie technologiebasierte Produkt-Innovationen. Zusätzliche Geschäftschancen biete „Reverse Innovation“ -  wenn also Produkte, die ursprünglich für Emerging Markets entwickelt wurden, nun auch für die Bedürfnisse des Heimatmarkts umgestaltet werden.

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Jan Michael GerkenJan Michael Gerken (Lehrstuhl für Innovation und Kompetenztransfer, Universität Bremen) referierte über das Thema „Patentinformationen zur Analyse technologischen Wandels“. Zentrale Aufgabe des strategischen Technologiemanagements sei es, technologischen Wandel zu erkennen und zu bewerten. Unternehmen legten jährlich immer mehr Wissen in Patenten offen – und dieses Wissen gelte es nutzbar zu machen. In seiner Studie analysierte Gerken den zeitlichen Abstand zwischen Patentoffenlegung und Markteinführung – ein Thema, das bisher noch nicht untersucht worden war. Mit Hilfe der semantischen Patentanalyse, die neue Möglichkeiten zu Wettbewerberanalyse, Erfinderprofilierung, Ideenfindung eröffnet, konnte Gerken an einem Beispiel aus der Antriebstechnik demonstrieren, dass Patente in der Tat eine wertvolle Quelle sein können, um neue Produkttechnologien zu antizipieren.


Daniel GredelAuch Daniel Gredel (Forschungsstelle Internationales Management und Innovation der Universität Hohenheim) widmete sich den Chancen der Patentanalyse. Sein Vortragsthema lautete „Patentbeobachtung in KMU: Erfolgsfaktoren für die Einführung eines Prozesses zur Analyse von Wettbewerberpatenten“. Eine besondere Herausforderung bestehe – so Gerken – darin, bestehende Patentbeobachtungskonzepte an den Bedarf kleiner und mittlerer Unternehmen anzupassen. In seinem Referat präsentierte er zwölf Erfolgsfaktoren für eine mittelstandsgerechte Patentanalyse. Zu diesen Faktoren gehören etwa eine mehrstufige Bedarfsanalyse in den KMU zur Festlegung der operativen Untersuchungsziele, die Nutzung frei zugänglicher Patentdatenbanken und der entsprechenden Recherchesoftware und die Identifikation von Patentblockaden, durch die bestimmte Lösungswege für technische Probleme versperrt werden.

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Irina Hartmann„Produktdesign als Wettbewerbs- und Innovationsfaktor“, dies war das Vortragsthema von Irina Hartmann (Lehrstuhl für ABWL & Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsmanagement der Universität Stuttgart).  Hartmann betonte dabei, Produktdesign ziele auf mehr als nur Schönheit. Vielmehr umfasse Design praktische Funktionen (etwa Ergonomie oder Qualität), dazu ästhetische und symbolische Funktionen, die zusammen die „Produktsprache“ bildeten. Diese Produktsprache wiederum kommuniziere den „inneren“ Wert eines Produkts, seine Bedeutung und seinen Gebrauchswert an die Kunden. Für innovative Unternehmen sei es entscheidend, Designkompetenz in die frühen Phasen des Innovationsprozesses zu integrieren. Die strategischen Erfolgspotentiale des Produktdesigns – z.B. Differenzierung, Markenbildung, größere Preisspielräume – würden auch von Investitionsgüterherstellern zunehmend erkannt.

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Prof. Dr. Katharina HölzleProf. Dr. Katharina Hölzle (Deutsche Telekom Juniorprofessur für Führung und Organisation der Innovation an der TU Berlin) berichtete über erste Forschungsergebnisse zum Thema „Strategien zur Überwindung von Innovationsbarrieren – Profile erfolgreicher Innovationsmanager“. In zahlreichen Interviews mit Mitarbeitern von Innovationsteams und Projektleitern ermittelte die Forscherin zentrale Innovationsbarrieren und deren Ursachen. So hemme etwa eine mangelnde interne Zusammenarbeit im Projekt erfolgreiche Innovationen ebenso wie ein unzureichendes Management von externen Kundenwünschen. Auch zu geringe Spielräume für innovatives Denken oder eine unklare Entscheidungslage gehörten zu den Hemmnissen. „Barrieren können jedoch durch Innovatoren überwunden werden“ – zeigte sich Katharina Hölzle zuversichtlich. Dies setze jedoch bestimmte personelle und organisatorische Maßnahmen voraus.

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Dr. Karin HoislÜber die „Bedeutung von Patenten für das Innovationsverhalten von KMU – eine empirische Analyse“ referierte Dr. Karin Hoisl (Institut für Innovationsforschung, Technologiemanagement und Entrepreneurship der Ludwig-Maximilians-Universität München). 20 nationale Patentämter in Europa haben es sich zum Ziel gesetzt, KMU für die Bedeutung von Schutzrechten zu sensibilisieren. Doch ist dieses Vorgehen überhaupt sinnvoll ? Bieten Patente wirklich einen Anreiz für Innovationen in kleinen und mittleren Unternehmen ? Diese Fragen untersuchte Karin Hoisl in ihrer Studie, die eine Online-Befragung von mehr als 2.000 Unternehmen umfasste. Dabei stellte sich heraus, dass die Nutzung von Patentinformationen zur Überwachung des Wettbewerbs einen positiven Einfluss auf die Innovationsaktivität von KMU hat, während die Forscherin keinen Einfluss der Bedeutung von Patenten zum Schutz vor Imitation feststellen konnte.

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Dr. Christoph Ihl„Open Innovation Readiness – Wie Sie erkennen, ob Ihr Unternehmen für offene Innovationsprozesse bereit ist“ – zu diesem Thema referierte Dr. Christoph Ihl (Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Technologie- und Innovationsmanagement der RWTH Aachen). Open Innovation – der eher informelle Zugang zu externen Wissensträgern über vielfältige Kanäle – ist gerade für mittelständische Unternehmen eine interessante Option. Denn diese Unternehmen sind aufgrund eingeschränkter Ressourcen häufig nicht in der Lage, die finanziellen Aufwendungen eigener Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu stemmen oder wichtige Know-how-Träger auf Dauer an sich zu binden. Ihl machte jedoch in seinem Vortrag deutlich, dass Open Innovation kein neues Patentrezept sei, sondern dass es auf eine firmenindividuell maßgeschneiderte Nutzung entsprechend der jeweiligen „Open Innovation Readiness“ des Unternehmens ankomme.

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Florian JellDen abschließenden Vortrag hielt Florian Jell (Dr. Theo Schöller – Stiftungslehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement der TU München) zum Thema „Identifikation von neuen Anwendungen für bestehende Technologien mit der Lead User - Methode.“ Die Chancen der am Lehrstuhl entwickelten Methode liegen darin, völlig neue Anwendungsgebiete für bereits vorhandene technische Lösungen zu entdecken und damit zusätzliche Umsatzquellen für Unternehmen zu erschließen. In bislang sechs Praxisstudien wurde die Methode erfolgreich  erprobt, die ihren Nutzern detaillierte Informationen über potentielle neue Märkte ebenso liefert wie  neue Vertriebskontakte und in deren Rahmen schließlich auch Entwicklungspartner zur Realisierung des Vorhabens vermittelt werden. Am Beispiel eines Aluminiumschaums, für den neue Anwendungen etwa im Bereich der Architektur gefunden wurden, konnte Jell die Praxistauglichkeit der Methode darlegen.

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Stand: 30.03.2017
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