„Die Industrie ist aus der Schockstarre erwacht. Es gibt Anzeichen für eine Trendumkehr der Konjunktur. Dennoch ist das Marktumfeld für viele Branchen weiterhin volatil, der einsetzende Aufschwung ist mit Risiken verbunden, und die Kundenaufträge sind heiß umkämpft. Unter diesen Marktverhältnissen ist es für die Unternehmen überlebenswichtig, systematisch neue Geschäfte sowohl in ihren angestammten als auch in neuen, verwandten Geschäftsfeldern zu generieren und dabei gleichzeitig die Kostenstrukturen zu optimieren.“ – so hieß es in der Einladung zum Petersberger Industriedialog 2010, der am 18. Mai wieder gemeinsam von den Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz und der Stiftung Industrieforschung ausgerichtet wurde. Mehr als 250 Personen – vor allem Geschäftsführer und Führungskräfte aus dem industriellen Mittelstand – kamen zur mittlerweile sechsten Industriedialog - Veranstaltung, um über Erfolgsstrategien für den Mittelstand zu diskutieren.

Petersberger Industriedialog 2010

In seiner Begrüßungsansprache forderte Dirk Grünewald, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, den Fokus stärker auf innovative Produkte zu richten: „Wir müssen täglich daran arbeiten, unser Wissen auszubauen, innovative Produkte und Verfahren zu realisieren sowie immer einen Schritt vorauszudenken. Andere Länder zögern nicht, ihr Potenzial auszubauen und zu steigern. Wir haben die Chance, mit unseren Kenntnissen Lösungen für die Megathemen Klimaschutz, Energieeffizienz und Ressourcenschonung zu bieten.“

Auch Dr. Wolfgang Lerch, Vorstand der Stiftung Industrieforschung, betonte den Stellenwert von Innovationen als Chance, um neue Marktchancen im Mittelstand zu erschließen. Zugleich verwies er auf den „Innovationsmarkt“, inzwischen ein fester Bestandteil des „Petersberger Industriedialogs“, bei dem diesmal acht Wissenschafts-Einrichtungen ihre Angebote an Messeständen präsentierten. Das Themenspektrum reichte von High-Tech-Lösungen bei Laser und Robotik über neue strategische Ansätze wie Industrial Design bis hin zu Kooperationsvermittlung und konkreten Förderprogrammen.

Einen Überblick über die Wissenschafts-Angebote finden Sie hier.

Georg Thaller, Vorsitzender des Vorstandes der Leifheit AGGeorg Thaller, Vorsitzender des Vorstandes der Leifheit AG, nannte in seinem Vortrag drei Erfolgsfaktoren, die bei der Bewältigung der Krise eine zentrale Rolle spielten: Starke Marken, Innovation und Kommunikation. So liege die Markenbekanntheit von Leifheit in Deutschland bei 89 %. Die Umsetzung innovativer Ideen sei für das Unternehmen  in mehrfacher Hinsicht von zentraler Bedeutung: bei der Sicherung eines hohen Qualitätsstandards der Produkte ebenso wie bei der Integration neuer Materialien – zum Beispiel Recycling-Werkstoffe oder nachwachsende Rohstoffe – oder etwa bei der Ausstattung traditioneller Produkte mit mehr „Intelligenz“. Das Kommunikationsbudget von Leifheit und Soehnle sei schließlich in 2010 gegenüber dem Vorjahr um beachtliche 21 % erhöht worden. Das Ergebnis: In der Produktkategorie „Flachwischsysteme“ beispielsweise sei es Leifheit im Jahre 2009 gelungen, die Umsätze deutlich stärker zu steigern als der Wettbewerb und zugleich neue Marktanteile zu erobern.

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Heinz M. Nägel, Geschäftsführer der FELUWA Pumpen GmbH„Bedarfsgerechte Produkt- und Serviceinnovationen: Voraussetzungen für Stabilität und Fortschritt eines traditionsreichen Unternehmens“ – dies war das Vortragsthema von Heinz M. Nägel, Geschäftsführer der FELUWA Pumpen GmbH. Das Unternehmen, ein „Hidden Champion“  aus dem rheinland-pfälzischen Mürlenbach, stellt hochwertige und hermetisch dichte Prozesspumpen her. „What is the customer asking for?“ – unter diesem Leitsatz differenziert sich das Unternehmen mit strategischen Innovationen vom Wettbewerb. Als Ergebnis nannte Nägel beispielhaft die „Doppel-Schlauchmembran-Prozesspumpe“, die etwa für aggressive Flüssigkeiten oder Schlämme eingesetzt wird. Ihr Vorteil: Die Flüssigkeiten kommen nur mit einer speziellen Schlauchmembran, aber nicht mehr mit dem Gehäuse in Berührung -  wodurch Korrosion praktisch verhindert wird und Kosten massiv gesenkt werden können. Der Mut zur Innovation zahlte sich für das Unternehmen aus: Auch im Krisenjahr 2009 konnte es seine Umsätze deutlich steigern.

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Alfred A. Bulitz, Geschäftsführer der GIRA Giersiepen GmbH & Co. KGÜber den „strategischen Einstieg in neue Geschäftsfelder“ der GIRA Giersiepen GmbH & Co. KG referierte Geschäftsführer Alfred A. Bulitz. Er berichtete dabei über den Weg eines Unternehmens, das – 1905 gegründet – mit der Auswertung eines Patents für Kippschalter begonnen hatte und sich nun mit neuen Markterfordernissen zum Anbieter von Lösungen für intelligente Gebäudetechnik entwickelt hat. Darüber hinaus hat GIRA sich systematisch mit der Frage beschäftigt, in welchen wachsenden Märkten das Know-how der Firma zusätzlich eingesetzt werden könnte. So kam es zum Einstieg in das neue Geschäftsfeld „Medizintechnik“, in dem das Unternehmen beispielsweise ein Rufsystem zum Hilferuf in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Pflegeheimen entwickelt und in den Markt gebracht hat. Ausführlich berichtete Bulitz darüber, welche neuen Anforderungen sich aus dem Einstieg in neue Felder für das Unternehmen ergaben und wie innovative Projekte organisiert werden.

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Antonio Casellas, Vice President Global Product Management von GKN Sinter Metals„Gestärkt aus der Krise: Auf Lean Enterprise mit exzellenten Mitarbeitern kommt es an“ – diese Botschaft brachte Antonio Casellas, Vice President Global Product Management von GKN Sinter Metals, seinen Zuhörern nahe. Was die Krise für sein Unternehmen bedeutete, machte Casellas anhand einer Graphik deutlich: Im Jahre 2009 war der Umsatz des Bonner Werks deutlich zurückgegangen – so wie die ganze Branche Umsatz-Einbrüche verzeichnen musste, die zum Teil 50 % erreichten. In dieser Situation baute Casellas seine „Überlebensstrategie“ auf vier Säulen auf: Cash Management, Operating Model, Produktstrategie und motivierte Mitarbeiter. Einen besonderen Schwerpunkt legte er in seinem Vortrag auf die Säule „Motivierte Mitarbeiter“: „Motivierte Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital des Unternehmens. Es ist unsere Verpflichtung, die Fähigkeiten unserer Mitarbeiter zu erkennen, um eine Kultur zu schaffen, in der kontinuierliche Verbesserung und Innovation ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur ist“, sagte Casellas.

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Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath, Vorsitzender des Vorstandes der Kölner Bank eGEin kontroverses Thema stand am Ende des Industriedialogs: „Vertrauenskrise – Kommunikationskrise ? Verhältnis Bank und Industriekunden“. Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath, Vorsitzender des Vorstandes der Kölner Bank eG erläuterte in seinem Vortrag die Veränderungen, die die Krise in der Struktur der Bankenlandschaft bewirkt hat, ebenso wie den deutlichen Anstieg der durchschnittlichen Ausfallsätze seit Ausbruch der Krise und die gesetzlichen Rahmenbedingungen, unter denen die Banken ihr Geschäft betreiben. Zugleich betonte er, die Genossenschaftsbanken hätten – anders als viele andere Kreditinstitute – ihre Kreditvergabe an Unternehmen und Selbständige im vierten Quartal 2009 ausgedehnt, und zwar um rund 3 %.

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Ursula Deuer, Geschäftsführerin der Bruno Unger GmbH & Co. KGIn einem ergänzenden Statement berichtete Ursula Deuer, Geschäftsführerin der Bruno Unger GmbH & Co. KG, über die recht unterschiedlichen Erfahrungen, die sie mit verschiedenen Banken bei der Kreditvergabe gemacht hatte. Zugleich legte sie jedoch am Beispiel ihrer Hausbank dar, wie in konjunkturell schwierigen Zeiten die Unternehmensfinanzierung konstruktiv sichergestellt werden kann.

Horst Gabriel, Geschäftsführer der Ernst Ludwig Emde GmbH & Co. KG und Vorsitzender des DIHK-Ausschusses für Industrie und ForschungHorst Gabriel, Geschäftsführer der Ernst Ludwig Emde GmbH & Co. KG und Vorsitzender des DIHK-Ausschusses für Industrie und Forschung, präsentierte in einem abschließenden Beitrag die Anforderungen des DIHK zum Industriestandort Deutschland.

Prof. Dr. Robert Fieten, Leiter des Management-Forschungs-Teams KölnAls Moderator fungierte auch beim sechsten „Petersberger Industriedialog“ Prof. Dr. Robert Fieten, Leiter des Management-Forschungs-Teams Köln, der auch maßgeblich an der Konzeption der Veranstaltung mitgewirkt hatte. Die Ergebnisse der Veranstaltung fasste er wie folgt zusammen: „Der Petersberger Industriedialog 2010 hat gezeigt, dass es auch in schwierigen Zeiten Chancen für den innovativen industriellen Mittelstand gibt. Der Industriestandort erlebt eine Renaissance und erweist sich als Best Cost Country, wenn sich die Unternehmen auf technisch anspruchsvolle Produkte konzentrieren. Es gibt viele Chancen für ertragreiches Neugeschäft, indem bestehende Geschäftsfelder intensiver bearbeitet werden und mit dem vorhandenen Know-How neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Letzteres erfordert jedoch einen langen Atem. Durch die geschickte Kombination von Produkt- und Servicestrategie und die Fokussierung auf technisch anspruchsvolle Abnehmer können deutsche Mittelständler sehr gut zu verteidigende und sogar auszubauende Alleinstellungspositionen erreichen. Zwei wichtige Voraussetzungen: eine solide Eigenkapitalausstattung und die Bindung der Know-How-Träger.“

Gruppenfoto der Referenten des Petersberger Industriedialogs 2010:

Gruppenfoto der Referenten vom Petersberger Industriedialog 2010

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Stand: 30.03.2017
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